Freitag, 9. September 2016

Auszeit beendet.

Oder: Es war Winter … äh, Sommer in Kanada …!

Die vergangenen drei Wochen haben sich die Barons im Osten Kanadas herumgetrieben. Ausgehend von Toronto sind wir zunächst in die eher unbekannte, "kleinere" Stadt Kingston gefahren, von wo wir einen Nationalpark anfahren konnten, um unsere erste richtige Wanderung des Urlaubs zu machen. Und ja, so 11 km bergauf, bergab durch einsame kanadische Wälder (ganze 3 Menschen haben wir in 4 Stunden getroffen!) können ganz schön anstrengend sein – aber auch so schön.

Von Kingston ging es weiter nach Montréal, wo wir leider mit der Unterkunft ein bisschen Pech hatten. Nun ja, zwei Nächte kann man durchhalten und sauber war es ja zumindest. Immerhin gab es auch dort den Mont Réal zu Fuß zu erklimmen (230 m Höhe, oder so ähnlich … allerdings per Treppe zu ersteigen) und einen recht netten botanischen Garten zu erobern. Und wirklich prima war die Atmosphäre dann in der fußläufigen Innenstadt, wo auf verschiedenen Plätzen Straßenmaler und -gaukler ihr Unwesen trieben. Das hat uns sehr gut gefallen.

So richtig gut hat uns dann aber die nächste Station in Quebec gefallen – das ist mal eine richtig tolle, alte "unamerikanische" Stadt. Selbst das eher schlechtere Wetter konnte uns dort die Laune nicht wirklich vermiesen und so haben wir Gassen und Gaukler ausgiebig genossen.

Dann ging es endlich weg aus der Stadt und raus aufs Land. Nächste Station war das für seine Wal-Touren bekannte Örtchen Tadoussac. Und was hatten wir Glück (nicht nur mit der grandiosen Unterkunft!): Am Tag der Anreise war das Wetter weniger schön, die Überfahrt mit der Fähre eher rauh … oh, oh. Wir wollten doch am folgenden Tag zum Wale-Watching gehen! Und was soll ich sagen? Am anderen Morgen strahlte die Sonne und die See war platt wie ein Brett. Aber es kam noch besser: Bei der 2,5-stündigen Bootstour bekamen wir über 50 Wale zu sehen und … einen Sonnenbrand. Nächster Tag: Regen und Wind.

Etwas weiter westlich, genauer in Saguenay lag die nächste Station. Dort hatten wir eine weitere tolle B&B-Unterkunft mit einer sterneverdächtigen Frühstücks-Küche. Irre. Allerdings ging es uns langsam aber sicher doch auf die Nerven, dass die Quebecer so extrem-französisch sind. Ich meine, wir waren ja in Kanada und erste Amtssprache dort ist nun mal Englisch. Aber glaubt nicht, dass man ohne Weiteres Leute (z.B. in Restaurants oder Hotels …) findet, die dort auch nur einigermaßen brauchbar englisch sprechen. Von Straßen- und sonstigen Schildern ganz abgesehen: ausschließlich französisch. Der nicht französisch-sprechende Herr Baron war regelmäßig sprachlich total aufgeschmissen und konnte nicht mal in Erfahrung bringen, was wohl die Suppe des Tages war … Und mir ging die Über-Eck-Übersetzerei auf Dauer ganz schön auf die Nerven … nur gut, dass ich seit der Schulzeit doch noch nicht alles vergessen habe.

Von Saguenay fuhren wir ins touristische Outback – an den A ... rm der Welt in die zauberhafte, aber leicht scheintote Stadt Northbay. Auch dort waren wir wieder zum Wandern und Natur-Genießen. Nett. Am nächsten Tag ging es weiter nach „Trois-Rivieres“, was sowohl von der Unterkunft, als auch von der Stadt her ein voller Reinfall war. Ich sag mal so: Pforzheim ist eine Welt-Kulturstadt dagegen … aber wenigstens ein brauchbares „Spaghetti-Restaurant“ mit Tradition (so die Speisekarte) haben wir gefunden. Hehe, und da saßen 117 Weibsen und 7 Männer drin. ?!?!? Auf Nachfrage bei der Bedienung, was das für eine seltsame „Überfüllung“ ist, bekamen wir die Antwort (gebrochen englisch, das war ja noch im voll französischen Teil mit ausschließlich französischer Speisekarte zur Freude des Herrn Baron), dass in der Nähe ein Konzert von der Kanadierin Celine Dion (die mit dem Lied aus dem Film „Titanic“) ist und das Publikum vorher auf dem Weg dorthin für gewöhnlich in diesem Lokal speist. Aha. Aber die Spaghettis waren dann sehr gut.

Ebenso war die kleine Stadt Huntsville … ach, da ist uns was passiert … *lach. Die Barons haben sich am Abend nach dem Essen im Ort, wohin man natürlich zu Fuß ging, eingebildet, auf der Veranda des Motels doch gerne noch ein Gläschen Weißwein trinken und nebenbei ihr Lieblingsbrettspiel "Take it easy" spielen zu wollen. Es war doch so schön warm am Abend und mit Blick auf den See war das Plätzchen vor dem Zimmer doch sehr reizvoll. Also haben wir im Restaurant gefragt, wo man den nächsten Supermarkt (möööp, hätten wir mal konkreter nach einem Weinhändler gefragt …) findet, was uns von der Bedienung bereitwillig erklärt wurde.

Supermärkte haben dort ja fast rund um die Uhr geöffnet, alles gut. Der Weg zum Supermarkt war ein schöner 10-Minuten-Spaziergang, das war nach den Wanderungen des Tages gerade noch drin. Blöd nur, dass wir inzwischen wieder im nichtfranzösischen Kanada waren, wo man Alkohol halt nur in speziell lizensierten Läden bekommt. Das hat man uns im Supermarkt dann auch gesagt und gleich den Weg zu einem solchen beschrieben. Also gut, um des Glases Weißweins Willen war auch der weitere halbe Kilometer noch drin. War ja schönes Wetter. Leider zog sich dieser halbe Kilometer dann doch noch etwas länger hin, so dass wir gerade drauf und dran waren umzukehren, als wir an der nächsten Kreuzung dieses Spirituosengeschäft sahen. Also wackelten wir noch mal ein gutes Stück weiter, um endlich am Laden anzukommen, der die ersehnte Flasche Wein für uns bereit hielt. Aber dann kam die Ernüchterung: Wir waren inzwischen so weit von unserer Unterkunft weg gewandert, dass wir etwa 1,5 Stunden zurück gebraucht hätten … ups! Ein Glück nur, dass auf dem Parkplatz dieser Einkaufsstraße just an diesem Abend ein Oldtimertreffen stattfand und ein Taxifahrer gerade auf den Parkplatz fuhr, als wir unser Malheur erkannten. Der nette Taxifahrer hatte dann auch Mitleid und fuhr uns zurück ans andere Ende der Stadt, wo wir dann bei einer hart erarbeiteten Flasche Wein die letzten Sonnenstrahlen auf der Veranda genießen konnten.

Nach einem eintägigen Aufenthalt in der kanadischen Hauptstadt Ottawa (nett … aber entbehrlich) war die vorletzte Station völlig unerwartet auch eine der schönsten – Niagara. Bis dahin waren erst mal über 350 km zu fahren … ein Klacks. Lästig nur, dass man auf den überwiegend super ausgebauten Autobahnen halt nur max. 100 km/h fahren darf. Das ermüdet ohne Ende. Von Niagara war ich im Vorfeld wenig angetan … ich hatte ein typisches Touristenkaff mit den üblichen Begleiterscheinungen erwartet: voll, teuer, überbewertet. Aber weit gefehlt! Niagara ist ein richtig nettes, kleines Städtchen – jedenfalls, sobald man das Touristenviertel rund um die Ausblickspromenade auf die Wasserfälle verlässt. Dort waren natürlich Touisten jeder Hautfarbe und Nation unterwegs, was zeitweise doch sehr lästig war. Aber dank eines grandiosen Wetters hatten wir einen phantastischen Ausblick auf die Wasserfälle, strahlender Regenbogen inklusive. So was hatte ich zuvor noch nie gesehen! Überraschend auch: Man konnte die Wasserfälle ohne jeglichen Eintritt von der Straße aus bestaunen und fotografieren. Auch das hätte ich nicht erwartet.

Am Abend haben wir uns dann in die Einheimischen-Viertel begeben, wo uns nette, völlig entspannte Kneipen und am zweiten Abend sogar ein weiteres Oldtimer-Treffen mitten in der Stadt erwarteten. Und die Oldtimer-Freunde waren ganz stolz, dass ein paar deutsche Touristen ihre Goldstücke fotografierten … im Hintergrund Rock'n'Roll-Musik und rundherum alte, blitzeblank aufpolierte Autos – es war eine wahre Schau in einer bezaubernden Atmosphäre!

Zu guter letzt mussten wir wieder zurück nach Toronto, wo wir den dort heißesten Tag des gesamten Jahres erwischen mussten. Daher beschlossen wir, nach einem kurzen Spaziergang (man könnte es auch Dahinwatscheln nennen) im botanischen Garten das Hotel und damit klimatisierte Räume aufzusuchen, wo wir die letzten Stunden bis zur Abreise am Folgetag gemütlich ausklingen ließen.

Alles in allem hatten wir wieder einen grandiosen Urlaub mit über 3600 km Fahrstrecke und täglich im Schnitt ca. 8 km Fußstrecke – wenn nur dieses Kanada nicht so fürchterlich amerikanisch wäre … ja, ich kann nicht umhin. Ich wusste es ja im voraus, und trotzdem kriege ich dann vor Ort doch wieder die Krise, wenn ich sehe, wie auf der einen Seite "Umweltschutz" auf den Schildern steht, am Frühstücksbüffet selbst bei richtig guten Hotels wie Hilton und Co. dann aber Pappteller und Plastikbesteck stehen. Muss das wirklich sein? Ich verstehe das genauso wenig wie die Tatsache, dass im Supermarkt das ohnehin schon in einer Tüte steckende Baguette in eine weitere Tüte gepackt werden muss. Und dass auch das bereits luftdicht verschweißte Fleisch in eine weitere Tüte gepackt werden muss, bevor es in die Einkaufstüte gesteckt wird … Mann oh Mann, da könnte ich mich aufregen … aber lassen wir das. Ich habe Tüten weitestgehend verweigert und Porzellangeschirr benutzt, wo immer es ging, auch wenn die Leute rund herum irritiert geschaut haben.

Einen letzten Lacher haben wir dann aber doch noch erlebt: Flughafen Toronto, Handgepäckkontrolle, vor uns ein Mann mit kleinem Hund unterm Arm (?!?) … und – Achtung! – zwei Akkuschraubern im Handgepäck. Ich hätte fast unterm Tisch gelegen vor lauter Lachen, als die Beamtin die zwei Dinger mit ungläubigem Blick aus der Tasche zog. Fazit: Hund durfte mit, Akkuschrauber mussten bleiben … *lach mich schlapp.

So, wer hat bis hierher durchgehalten? Respekt und danke fürs Lesen! ;O)

Und jetzt noch ein paar Fotos …


















Kommentare:

Roswitha K. hat gesagt…

Ein toller Urlaubsbericht und noch tollere Bilder.

LG Roswitha

Gitti ~ BriPaBären hat gesagt…

Superschön liebe Andrea!!!
Gruß Gitti